Montag, 21. Februar 2011

Wie aus Betrug unbewusste Fehler werden

Doktor zu Guttenberg kann sich auf seine Getreuen in Funk und Fernsehen verlassen. Nicht nur die auflagenstärkste Zeitung Deutschlands unterstützt ihn, auch die Meinungsmachungs-Institute kanzeln den Doktor wider Willen ab.

Jeder, der eine Universität besucht hat, weiß, wie schwer die Vorwürfe gegen Guttenberg wiegen: Der Vorwurf, die eigene Arbeit sei ein Plagiat, ist eine Art wissenschaftliche Todesstrafe, so sich der Vorwurf bewahrheiten sollte.

Wohin man schaut, es ist egal, ob Guttenberg klaut, es interessiert keinen im Saal.

So oder so ähnlich lässt sich wohl das Meinungsbild in Deutschland zusammenfassen. Da wird von Fehlern gesprochen, die im Idealfall sogart unbewusst gemacht wurden. Als wäre das bei Fehlern nicht immer so. Da werden ganze Absätze, die abgeschrieben wurden, beiseite geschoben mit dem Hinweis auf das außerordentliche politische Talent des Freiherrn. Ganz so, als würde dies eine Rolle spielen.

Dass das Boulevard-Blättchen Bild den Beinahe-Fast schon-Kanzler abkanzelt, liegt wohl in der Natur der Sache des deutschen Konservatismus. Auch mögen so gar nicht repräsentativ anmutende 502 Befragte bei einer Forsa-Umfrage nicht wirklich schockieren, immerhin hat RTL sie in Auftrag gegeben.

Wenn sich aber gestandene Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens erdreisten, den glasklaren Tatbestand einer wissenschaftlichen Fälschung als Schummelei abzutun, dann sollte man sich Gedanken machen.

Lieber Herr Doktor zu Guttenberg: Sie scheinen sich ja meinen Vorschlag zu Eigen gemacht zu haben, jedoch haben sie einen wichtigen Teil vergessen: Ihren Rücktritt.

"Ein Plagiat ist das bewusste Aneignen fremder geistiger Leistungen. Dies kann sich auf die Darstellung von Ideen (Urheberrecht) oder die Ideen selbst (Patentrecht, Geschmacksmusterrecht, Wissenschaft) beziehen."

Der Vorwurf hat sich nicht erhärtet, er hat sich auch nicht als falsch herausgestellt. In diesem Falle hat er sich ganz einfach bewahrheitet. Schlimmer noch: Einem Freiherrn zu unterstellen, er wäre so dummdreist und würde in der Einleitung(!) seiner Doktorarbeit abschreiben, ist an Idiotie kaum mehr zu überbieten. Man könnte ihm höchstens unterstellen, dass er so dummdreist war und sich die Arbeit hat Schreiben lassen. Und er hat dem oder die Ghostwriter so sehr vertraut, dass er sich über Abkupferungen anscheinend keine Gedanken machte. Anders ist seine erste Stellungnahme zu diesem Thema, die mit dem Wort "abstrus" beginnt und endet, nicht zu erklären. Es mutet fast schon so an, als wäre dies die bislang einzig ehrliche Aussage Guttenbergs zu diesem Thema. Ich nehme ihm nämlich wirklich ab, bis dato nichts davon gewusst zu haben, dass seine engagierten Schreiberlinge frank und frei abgeschrieben haben.

Das kann ihm jedoch nicht zum Vorteil gereicht werden, denn wenn es etwas Schlimmeres gibt, als selbst abzuschreiben, dann ist es das Schreiben lassen. Getoppt wird das nur noch von einer relativ häufig vorkommenden Paarung: Man lässt jemanden eine Disseration oder was auch immer schreiben, gibt ihm dafür beispielsweise Geld und dieser bezahlte Mensch besitzt die Frechheit und schreibt selbst nur ab.

Tja Gutti, verlasse dich auf andere und sei verlassen. Oder: Hättest Du die Drecksarbeit mal selbst erledigt. Dann wäre es wahrscheinlich wenigstens nicht dazu gekommen, dass in der Einleitung deiner Arbeit abgeschrieben wird. Diesen Fauxpas hättest Du verhindern können. So aber ist es eine perfekte Entlarvung dafür, was Du eigentlich bist: Ein kleiner Betrüger, der so dumm war und sich auf die Versprechen derjenigen, die die Arbeit geschrieben haben, verlassen hat.

Kommentare:

  1. er ist waidwund geschossen, überlassen wir es anderen ihn endgültig zu Fall zu bringen. Widmen wir uns statt dessen den anderen Titelträger der deutschen Politik zu und analysieren deren Arbeiten. Es wird ein Spaß im Blätterrauschen vor Angst, die ein oder ander zitternde Pappel zu Fall zu bringen.

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  2. Tja, hätte KTzG die Wahrheit gesagt, Scham und echte Reue gezeigt -und der bereut mit Sicherheit!-, wäre DESWEGEN kein Rücktritt nötig gewesen. War doch kein Schwerverbrechen. Und er hätte einen Sympathiebonus erhalten, für Mut und Offenheit. Was für ein Dummie.

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