Dienstag, 8. Februar 2011

Nach deutschem Vorbild: Irland und Portugal pumpen auf eigene Faust Geld in den Markt

Ähnlich wie Deutschland pumpen nun auch Irland und Portugal in nationalen Alleingängen Geld in den Markt. Dies ist - unter strengen Regeln - legal. Die EZB wird die Geister, die sie rief, nicht mehr los.

Rückblende: Im Jahr 2008 musste Deutschland der HRE aushelfen, schlappe 35 Milliarden € gingen damals über den Tisch und in die Taschen der HRE. Andernfalls wäre die HRE und mit ihr wohl das deutsche Finanzsystem untergegangen, da die HRE in Deutschland als "lender of last resort" fungierte.

Daran scheinen sich nun die Iren und die Portugiesen ein Vorbild zu nehmen: Beide Länder wollen angesichts der schweren Krise in ihren Bankensektoren auf eigene Kappe Geld erschaffen, einem originären Vorrecht der EZB. Deutschland stellte der HRE für wenige Wochen 35 Milliarden zur Verfügung. Allein Irland greift seinem Bankensektor mit 50 Milliarden unter die Arme. Wenn man nun das BIP beider Länder vergleicht, fällt der "geringe" Unterschied dann doch ins Auge: Deutschland mit einem BIP in Höhe von 3300 Milliarden, Irland mit einem BIP von 227 Milliarden. Man erkennt deutlich, was es bedeutet, wenn das kleine Irland derartige Beträge in die Märkte pumpt. Irland druckt 22 Prozent seines BIP. Hätte Deutschland dies auch bei der HRE getan, so wären nicht nur 35 Milliarden, sondern 726 Milliarden Euro in die Hand genommen worden.

Von einer Erholung in der Euro-Zone kann also weiterhin keine Rede sein. Auch der Inflationsrate in Europa wird das irische Bonbon für die Banken zuträglich sein.

Portugal will weniger Geld unter den Banken verteilen, aber auch hier wird Feuer mit noch mehr Feuer bekämpft. Portugal muss gerettet werden, da sonst Spanien bzw. spanische Banken mit in den Strudel gerissen werden. Wenn Spanien fällt, bevor der Rettungsschirm erweitert wurde, zeigt sich die EU handlungsunfähig und der Euro würde unter neuerlichen Druck geraten. Man kann die Maßnahmen der beiden Peripherie-Staaten also durchaus als Behelfs-Maßnahme verstehen, da die europäischen Politiker Frau Merkel nur langsam weich klopfen können. Jedoch kann kein Zweifel daran bestehen, dass Merkel einknickt, wie sie es so häufig in der Vergangenheit tat.

Etwas Gutes kann man dem Ganzen natürlich dennoch abgewinnen: Die weiter und weiter geführte Schuldenspirale hat einen Endpunkt, dem wir uns immer mehr annähern. Was danach kommt? Vielleicht eine Gemeinschaftswährung zwischen Europa und Nordamerika. Die Rückkehr zu nationalen Währungen innerhalb Europas kann allenfalls eine Übergangslösung sein, da diese dem Konkurrenzdruck der BRIC-Staaten auf lange Sicht nicht standhalten können. Wie tief der weltwirtschaftliche und -politische Fall Europas geht, hängt somit auch von der Frage ab, mit wem wir zukünftig paktieren. Momentan sieht es jedenfalls ganz danach aus, als ob wir auf das falsche (im doppelten Sinn) Pferd setzen: Die USA hat sich seit nunmehr knapp 100 Jahren eine private Zentralbank geleistet, die Entwertung des US-Dollar und der immer offener zu Tage tretende Zerfall der USA sind die Zeugen dafür, dass diese Idee der privaten Zentralbank gescheitert ist und mit ihr auch die einstige Welt- und Schutzmacht USA.

Quelle: SZ

Keine Kommentare:

Kommentar posten