Samstag, 29. Januar 2011

Neben den Revolutionen: Was sonst noch passierte


Die Verlängerung des Afghanistan-Krieges wurde durch den Bundestag gepeitscht, der Ölpreis klettert, während der Baltric Dry Index (BDI) keinen Boden findet und in Davos zementiert Sarkozy die EU.
Die Revolutionen in Ägypten und Tunesien verdecken mitunter den Blick auf andere Themen. Dieser Aufarbeitung der Themen, die zu kurz gekommen sind, soll hier Raum geboten werden.

Zunächst outete sich die SPD abermals als Kriegspartei und stimmte mehrheitlich für die Verlängerung des Krieges. Geradezu frenetisch wurde der Passus bejubelt, nach dem die Bundeswehr zum Ende des Jahres mit dem Abzug beginnen könnte, wenn dies die Sicherheitslage zuließe. Wer tatsächlich erwartet, dass dies in 11 Monaten der Fall ist, ist entweder ein überzeugter/verdummter Sozialdemokrat oder leidet unter Realitätsverlust. Lediglich Siggi Pop Gabriel sorgte mit seiner Forderung nach einem Rücktritt von zu Guttenberg für eine Duftmarke und wärmte das SPD-Herz, was so weit nach rechts gewandert ist, dass es wie Hohn klingt, wenn man sich im Willy-Brandt-Haus mit Genosse anspricht.

Die Öl-Referenzsorte WTI stieg am Freitag um kräftige 5,13%, auf nunmehr 89,57 US-Dollar. Die wichtigste europäische Rohölsorte Brent liegt sogar bei 99,33 US-Dollar. Solange die Revolutionen im Nahen Osten und Nordafrika wüten, ist ein Sinken des Ölpreises eher unwahrscheinlich. Bereits in einem vorherigen Beitrag wies ich darauf hin, dass ein Übergreifen dieser Protestbewegungen auf Saudi-Arabien dem US-Dollar den Todesstoß versetzen könnte. Ein hoher Ölpreis signalisiert, so die Höhe nicht von Spekulation und zu viel Liquidität getrieben ist, eine höhere Wachstumsrate der Wirtschaft.
Dem gegenüber steht der Baltric Dry Index (BDI). Dieser gilt als Frühindikator für Wendepunkte der Weltwirtschaftsleistung und befindet sich seit Monaten auf Talfahrt. Der BDI bildet die weltweiten Frachtmengen in der Schifffahrt ab, ein Absinken des BDI ist – vor allem in dieser Intensität – ein deutliches Warnsignal, dass die Wirtschaft im Sinkflug ist. Wie passt der hohe Ölpreis nun mit dem niedrigen BDI zusammen? Gar nicht könnte man meinen. Die logische Schlussfolgerung daraus: Einer der beiden muss verzerrt sein. Die Unsummen, die in der jüngeren Vergangenheit ins System gepumpt wurden, lassen den Schluss zu, dass der Ölpreis vor allem von Spekulanten nach oben getrieben wird, ebenso wie die Lebensmittelpreise.

Sarkozy hielt unterdessen eine aufrüttelnde Rede auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Er strich heraus, dass Frankreich und Deutschland nie den Euro würden fallen lassen. Nun sollte man sich ja bei Politikern und ihren Äußerungen die Frage stellen, warum sie diese tätigen. Anscheinend ist Sarkozy angst und bange und er sah sich genötigt, erneut eine derartige Garantie abzugeben. Derlei Garantien sind ähnlich wie Rücktritts-Drohungen: Mit zunehmender Anzahl dieser Garantien oder Rücktritts-Drohungen nutzen sich diese ab, bis sie keiner mehr ernst nimmt. Sarkozy tätigte allerdings weitere, viel interessantere Aussagen: Er kritisierte die Tatsache, dass wir seit 11 Jahren im 21. Jahrhundert seien, aber immer noch die Institutionen des 20. Jahrhunderts hätten. Er forderte eine grundlegende Reform des UN-Weltsicherheitsrats und gleichzeitig will er, dass die G20 verbindliche Entscheidungen fällen kann. Der Weg zur Global Governance wird also weitergegangen, die durch die Finanzkrise aufkommenden Ideen zur Re-Nationalisierung werden weggewischt. Es ist immer noch die alte Arroganz der Mächtigen, die Mubarak und Co. gerade zum Verhängnis werden.

Zum Ende noch etwas zu der ägyptischen Revolution: Der Telegraph berichtet, dass die ägyptischen Revolutionäre doch tatsächlich von der US-Administration unterstützt werden. Das intuitive Bauchgefühl so vieler hat sich also auch dieses Mal nicht getäuscht.

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