Sonntag, 30. Januar 2011

Ägyptische Demonstranten verlieren zusehends ihre wichtigste Waffe

Die ägyptischen Demonstranten verlieren einen wichtigen Verbündeten im Kampf für einen Rücktritt von Präsident Mubarak. Dem Sender Al-Dschasira wurde die Lizenz entzogen, ohne die Medien im Land sind die Demonstranten den Sicherheitskräften ausgesetzt. Wie wird sich die Armee verhalten?


Der scheidende Informationsminister Anas el Fekki hat kurz vor seinem Amtsverlust Al-Dschasira die Lizenz entzogen, die Akkreditierung der Journalisten wurde für nichtig erklärt. Al-Dschasira ist noch auf Sendung, jedoch wird mit einem Abschalten noch am Sonntag gerechnet. Die Demonstranten haben neben ihrer Stimme vor allem mit den Fernsehkameras eine wichtige Waffe in der Hand, die sie zu verlieren drohen. Nur durch bewegte Bilder wird die Weltbevölkerung aufmerksam gemacht, gleichzeitig schützen Kameras die Demonstranten auch vor Repressalien seitens der Sicherheitskräfte, da selbst die Schergen des scheidenden Regimes wissen, dass sie sich damit nur weiter isolieren, national wie international. Befürchtungen werden laut, dass durch die geringere mediale Präsenz die Polizisten noch härter gegen die Proteste vorgehen könnte.

Bislang sind die Demonstranten von der Armee beschützt worden, wenn dies nötig war. Es kommt zusehends auf die Armee an, stellt sie sich auf die Seite der Demonstranten, dann muss Mubarak abdanken. Desto länger dieser Protest aber dauert, desto unwahrscheinlicher ist ein baldiger Abschied von Mubarak. Immerhin dürfte sich Mubarak sagen, dass er die ersten Tage (politisch) überlebt hat, dann kann er vielleicht auch die gesamte Revolte aus sitzen. Sollte der Protest-Druck nachlassen und zusehends weniger Menschen auf die Straße gehen, so kann die Revolution ebenso gut scheitern, wie die versuchte Twitter-Revolution im Iran.

Sollten die Medien an der Berichterstattung gehindert werden, kann davon ausgegangen werden, dass die Gewalt auf der Straße seitens der Regierung zunimmt. Für die Regierung Ägyptens ist dies eine logische Folge, immerhin haben sie ja schon das Internet und das Mobilfunknetz gekappt, jetzt offenbart Mubarak erneut, was er von freiheitlicher Demokratie, zu der die Pressefreiheit zählt wie der Donner zum Blitz, hält.

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