Montag, 24. Januar 2011

Die Teilung des Sudans im Lichte der US-Geopolitik


Das Referendum über eine Spaltung des Sudans ist weit vorangeschritten. Mit einem Ergebnis, dass stark an SED-Wahlergebnisse in der DDR erinnert, geht der Wettlauf zwischen China und den USA auf dem schwarzen Kontinent in eine neue Runde.

Knapp 99 Prozent der Südsudanesen haben sich nach ersten Ergebnissen für eine Abtrennung vom ungeliebten Norden ausgesprochen. Besonders ehrgeizig ging es in einigen Wahlkreisen zu, in denen eine Wahlbeteiligung von 105 Prozent registriert wurde. Diese würden nach Aussage eines Richters nicht in das amtliche Endergebnis Einzug finden.[1]

Die USA sind seit Jahren großer Befürworter der Abspaltung des Südsudans. Hintergrund ist die strategische Lage dieses Gebietes, außerdem verfügt der Süden über 80 Prozent der Erdöl-Vorkommen des Sudans. Momentan ist China noch Hauptabnehmer des sudanesischen Öls, dies dürfte sich mit einer Separation des Südens grundlegend ändern. Der Sudan steht seit dem Jahr 1993 auf der „Terrorliste“ der USA, reiht sich ein in die Riege der Länder wie Kuba, Iran und Syrien. Diese werden (jedenfalls offiziell) nicht mit Rüstungsgütern beliefert, haben nur schwerlich Zugang zu den globalen Finanzmärkten und sehen sich auch sonst in einer Position, die nicht unbedingt komfortabel ist.
Auch aus diesem Grunde ist es US-Firmen bislang nicht möglich, den schwarzen Schatz des Sudans zu heben. Bereits im Vorfeld des Referendums sagte die USA, dass der Süden durchaus von der Terrorliste gestrichen werden könnte, so erst der neue Staat gegründet ist. Damit einher gehen dürfte wohl die Präsenz von US-Streitkräften, ob dies nun Soldaten im Dienste der U.S. Army sind oder angeheuerte Söldner von Blackwater und Co. spielt hierbei keine Rolle.

Die USA versuchen die Chinesen in ihrem Bestreben, sich die Filetstücke Afrikas zu sichern, auszubremsen und die Chancen stehen nicht schlecht, dass sie mit dem Südsudan einen Achtungserfolg einheimsen können. Problematisch sind hierbei die bestehenden Öl-Förderverträge, die vom Norden und vom Süden als unantastbar gelten. Eben jene Förderverträge sichern allerdings China einen großen Teil der Ölförderungen zu, insofern kann es nicht im Interesse der USA liegen, dass diese Verträge ihre Gültigkeit behalten. China ist größter Handelspartner des Sudan, ca. 60 Prozent der Exporte gehen nach China.

Wie kann man sich diesen leidigen Verträgen entledigen? Es steht zu befürchten, dass ein erneuter Bürgerkrieg im Sudan forciert wird. Entzünden kann sich dieser an der Zentralregion Abyei, bei der noch nicht geklärt ist, zu welchem der beiden künftigen Staaten sie gehören soll. Nicht nur, dass in Abyei abermals Öl gefördert werden kann, es ist auch eine Region, die mit üppigem Weideland ausgestattet ist, für die sudanesische Bevölkerung ein gewichtigerer Faktor als das Öl. Bislang konnten sich der Norden und Süden noch nicht darauf einigen, wer nun schlussendlich diese Region für sich beanspruchen kann, in der perfiden Denklogik der USA ist dieses Gebiet geradezu prädestiniert dafür, einen Bürgerkrieg anfachen zu können.
In den wirren dieses potentiellen Bürgerkrieges ist es denkbar, dass die noch bestehenden Verträge für nichtig erklärt werden. 

US-Präsident Obama sagte dem Süden vorsorglich schon einmal Unterstützung zu. Die USA stünden bereit, den Parteien bei der Lösung der Probleme nach dem Referendum zu helfen, ließ er verlauten.
Anders als China, das beim Engagement in Afrika langfristig denkt und die Rohstoffexporte vornehmlich in Infrastrukturprojekte bezahlt, geht die USA also nach der altbekannten Brechstangen-Methode vor: Das Land spalten, einen Bürgerkrieg entfachen, die Scherben zusammenfegen und sich anschließend als Schutzpatron für Frieden im Land feiern lassen. Habe ich etwas vergessen? Ach so, und natürlich einen neuen Öllieferungsvertrag mit der von den USA eingesetzten Marionetten-Regierung des Südens unterzeichnen, als Gegenleistung für diese friedensbringenden Maßnahmen.

Interessant dürfte sein, wie China auf diesen Affront seines Schuldners USA reagiert. Alles in allem kann man der sudanesischen Bevölkerung nur wünschen, dass sie sich nicht zum Spielball der imperialistischen Interessen der USA machen lässt. Dabei helfen könnte der Fakt, dass der Norden und Süden durchaus noch einige Jahre aneinander gebunden sind. Im Norden ist schließlich die ganze Öl-Infrastruktur angesiedelt, Raffinerien, Häfen, etc. der Süden kann im Gegenzug mit den Ölquellen aufwarten.

Wollen wir für den Sudan hoffen, dass sich die erdrückend und skeptisch stimmende 99-prozentige Mehrheit der Südsudanesen nicht täuscht und wie so viele andere auf den Teufel im Schafspelz hereinfallen.

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