Samstag, 6. August 2011

Der Sündenfall

Die USA hat ihr groteskes Top-Rating verloren. Wesentlicher erscheint jedoch, dass die Ratingagentur S&P die USA mit einem "negativen" Ausblick versah, weitere Abstufungen sind also wahrscheinlicher, als eine baldige Rückkehr zum AAA-Rating. Der Sündenfall des Weltfinanzsystems ist eingetreten.

Seit dem Ende des zweiten Weltkriegs hatte die USA immer die Top-Bonitätsnote inne. Kurz nach Börsenschluss in New York gab die Ratingagentur am Freitag bekannt, dass die USA nicht länger mit einer Topbonität ausgestattet sei. Dieser Entzug kommt zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt: Gerade erst hatten sich die Republikaner und die Demokraten im US-Kongress zu einer Erhöhung der Schuldenobergrenze durchringen können, nach wochenlangen Streitereien und vielen durchgemachten Nächten.

Statt die vermeintliche Handlungsfähigkeit des politischen Systems der USA zu belohnen, folgt stattdessen die Bestrafung für jahrzehntelange Schuldenmacherei. Es dauerte denn auch nicht allzu lang, bis sich die chinesische Regierung zu einer harschen Kritik an Washington bemüßigt sah. Die Schuldensucht der USA müsse beendet werden, so der einhellige Tenor aus dem Reich der Mitte. Nach der US-Zentralbank hält China die größten Bestände an US-Staatsanleihen, derartige Kritik muss vom Weißen Haus also durchaus ernst genommen werden, sonst könnten die Chinesen den Geldhahn zudrehen, um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen. Wie sich die USA aus ihren Schulden befreien wollen, ist mit der Herabstufung unklarer denn je, da sich die USA durch die Abstufung nunmehr nur noch zu höheren Zinsen Geld wird leihen können. Der Schuldenberg von Washington dürfte also noch schneller wachsen.

Besonders erstaunlich ist die Nicht-Reaktion des politischen Washingtons. Bislang konnte man sich lediglich zu einer lächerlichen Aussage durchringen. Die Ratingagentur habe schlicht falsch gerechnet, der Entzug der AAA-Bonität sei demnach unter falschen Vorzeichen entschieden worden. Wer kann solch eine Aussage überhaupt noch Ernst nehmen, angesichts der vielen Billionen, die die USA mittlerweile an Schulden angehäuft haben? Davon abgesehen erscheint die Worthülse, die das Weiße Haus am Samstag abfeuerte, ebenfalls nicht glaubwürdig. Die politischen Führer sollen zusammenkommen, um das fiskalische Fundament der USA zu stabilisieren, gleichzeitig soll auch die Wirtschaft angekurbelt werden. Nichts als fromme Wünsche, die man dieser Tage aus Washington zu hören bekommt.

Vielleicht ist Obama aber auch einfach noch nicht wieder fit, immerhin feierte er ja vor kurzem seinen 50. Geburtstag. Andererseits schaffte er es heute auch, den Angehörigen der Opfer eines Helikopterabsturzes in Afghanistan, bei dem 31 US-Soldaten getötet wurden, sein Beileid auszusprechen.

Wie nun bekannt wurde, waren die Mitglieder der Navy Seals Einheit "Team Six" an Bord des Helikopters. Diese Einheit war an der angeblichen Erschießung von Osama bin Laden beteiligt, der Anfang Mai in Pakistan getötet worden sein soll. Statt die Bilder des toten bin Ladens zu veröffentlichen, um der Weltöffentlichkeit Beweise für die tatsächliche Hinrichtung bin Ladens zu liefern, sterben nun also zufällig genau jene Soldaten, die an dieser Hinrichtung beteiligt gewesen sein sollen.

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt...

Quellen: 1

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